Grulichkrippenmeister - Josef Komarek

das Archiv - III. (Krippenmeister Vondra)

  • Josef Vondra - Krippenbergbauer aus Cervený Kostelec
  • Über Vondras Krippenkunst

  •      Die Krippenbergbauten Josef Vondras sind in ihrer datailreichen Ausführung (zumeist sind es fantasievolle Orientalische Krippenberge) in Tschechien und in anderen Ländern wohl einzigartig. Außergewöhnlich ist auch seine Biografie und die Hinwendung zur Krippen, die bis zu seinem Tod seine Lebensliebe- und Hobby waren. Mit diesem kleinen Lebensabriss Vondras versuche ich das Versäumnis des Vergessens dieses für den Krippenbau so bedeutenden Mannes ein wenig zu auszugleichen. Die Fotos die aus dem Nachlass Vondras stammen, illustrieren ergänzend meinen kleinen Text.


    Josef Vondra (geboren am 21.3.1909 in Jablonne nad Orlici - gestorben am 3.3.1991 in Mala Cermna)
    Krippenbergbauer aus Cervený Kostelec

    AD 1) Josef Vondra
    AD 2) Eines der wenigen noch erhaltenen Farbfotos

         Josef Vondra ist am 21.3.1909 in Jablonne nad Orlici geboren. Sein Vater Josef Vondra war Arbeiter und Hausvermieter in Jablonne nad Orlici Nr. 44. Josef Vondra erlernte das Friseurhandwerk. Im Heimatblatt der Gemeinde Vyprachtice ist in der Ausgabe vom 24.Juli 1917 vermerkt, dass Vondra als Friseurgehilfe in Jablonne arbeitete.

         Seine Frau Marie Vondrova, eine Tochter von Frantisek und Katerina Kuchařovi wurde am 11. Oktober 1906 in Cervený Kostelec geboren. Josef und Marie Vondrovi wurden am 20.4.1931 getraut.

         Sie kauften in Cervený Kostelec ein Haus (Eckhaus Nr. 206) in der Osvoboditelustraße, das später umgebaut wurde.

         In den zwei unteren Parterrezimmern, die hell waren und eine schöne Aussicht auf den Hausgarten boten, baute Vondra seine Krippen. Hier hatte er seine Werkstätte, sein „Fantasiezentrum“ und all die benötigten Baumaterialien, Schablonen und Farben für seine Krippenbautätigkeit. Diese Zimmer wurden urspünglich für seinen Sohn bestimmt.

         Josef Vondra Junior kam am 28. 1. 1937 auf die Welt. Groß war die Freude über das einzige Kind, später mischten sich aber Sorgen über den fragilen Geundheitszustand Josefs in das Glück der Vondrafamilie. Die dauerhaften gesundheitlichen Probleme Josefs hielten an und führten noch vor seiner geplanten Hochzeit zum Tod von Josef, er starb am 20.2.1968.

         Der so schnelle Tod des einzigen Sohnes änderte mit einem Schlag das Leben von Josef und Marie Vondra. Marie litt bald nach dem Ableben ihres Sohnes an schweren Depressionen und war psychisch labil. Josef Vondra versuchte mit täglichen Friedhofsbesuchen am Grab seines Sohnes und intensivem Krippenbau seinen Schmerz zu lindern und so mag es auch kein Zufalls sein, dass seine größte Krippe, die es mir zu dokumentieren gelang, auf einem Foto von 1972 zu sehen ist. Intuitiv, sich vor Selbstzerstörung zu schützen, sein Schicksal zu überwinden, baute Josef Vondra in dieser schweren Zeit geradzu manisch an seinen Krippenbergen. Die Krippenarbeit war ihm auch willkommene Flucht.

         Heute können wir leider kaum ermitteln, wie Josef Vondra zum Krippenbauen kam. Eine bestimmte Rolle spielten sicher die Krippentradition im Adlersgebirge, seine regelmässigen Busuche der Kirche und die bildende Begabund in der Familie. Als positiv ist auch seine lockere Arbeitszeit im Friseursalon zu sehen, die ihm ermöglichte, sich der Krippenherstellung in freien Weilen zu widmen.

         Erhaltene Fotos dokumentieren ganz sichtlich die Entwicklung seines Schaffens. Grösse dieses Bildners zeigt das Faktum, dass jede seine Gebäudezusammenstellung ein Original ist. Es geht in keinem Falle um geistlose Imitationen einer vielleicht früher gemachten Krippe, sondern jede seine Krippe überrascht uns mit etwas Neuem und Schönem. Es ist möglich, dass er dabei gleich nachdachte, wie bei seinem zweitem Hobby – Schachspielen.

         Seine Frau konnt sich vom frühen Tod ihres Sohnes nicht mehr erholen, blieb in der Depression gefangen und starb am 2.3.1990 im Krankenhaus in Broumov.

    Das letzte mir bekannte Foto von Josef Vondra stammt von der Beerdigung seiner Frau, mit dem Vermerk „binnen Jahr und Tag sterbe auch ich“.

         Ab dieser Zeit konnte Josef Vondra keine Krippen mehr bauen, zu zerrüttet war nun sein Leben. Er geht ins Altersheim in Hronov das im Stadtteil Mala Cermna liegt und starb dort im Alter von 82 Jahren an Bronchopneumonie .

         Am 11.3.1991 wurde er neben seinem Sohn und seiner Frau auf dem Friedhof in Cervený Kostelec begraben.

    ( - Zurück zum Anfang der Seite - )

    Über Vondras Krippenkunst


         Während meiner Recherche stiess ich in der mir zugänglichen Literatur auf keine grössere Erwähnung von Vondras Schaffen und er ist leider in der Tschechischen Literatur vergessen. Für das außerordentlich hohe Niveau seiner Krippen muss es aber eine Erklärung geben. Eindeutig feststellbar ist Vondras bildnerische Begabung, die auch sein Sohn übernommen haben dürfte. Ein noch erhaltenes Ölbild seines Sohnes, kunstfertig gemalt, ist ein guter Beleg dafür.

         Vondras Krippen wirken auf den Anschauer ungemein detailreich, fantasievoll und arbeitsaufwändig. Die Proportionen stimmen und fantastische Krippenberge orientalischen Typus entstanden in relativ kurzer Bauzeit anhand vorgefertigter Schablonen und zunehmender Übung. Zeitzeugen erklären seine Kunstfertigkeit und Schnelligkeit beim Krippenbau so: „zwischen ein paar Haarschnitten im Friseurgeschäft widmete er sich daneben seinen oftmals vier- bis fünfstufig ausgeführten Krippenbergen“ und „er solle bei der Krippenarbeit unglaublich schnell gewesen sein“.

         Ich vermute, dass seine großen Krippen, zumeist in bastellfarbener Ausführung noch vor den eher dunkel gehaltenen Krippen gefertigt wurden, die eine andere Schaffensperiode einleiteten. Pedantisch, in gutem Sinne gefertigt, ausladend ohne kitschig zu wirken, verspielt mit Treppchen, Turmbögen und Mauern, das waren seine Krippen. Detailreich ausgeführte Erker mit Gitterfensterchen und Zierleisten, mächtige Türme mit goldenen Kuppeln. Nichts an Vondras Krippen wirkt überladen oder gar schrill, vielmehr fesseln die Krippenberge in ihrer ausgewogenen Gesamtheit.

         Die Verbindung zum Grulichschnitzer Josef Schwarzer Senior stellt sich als glückliche Fügung dar, Schwarzer schnitzte und fasste die Grulicher „Mannln“ auf ähnlich hohem Niveau wie Vondra seine Krippenberge baute und da er nur Berge baute und die Papphäuschen schuf, war es naheliegend das etliche seiner Krippen mit Schwarzerfiguren ausgestattet wurden. Nur um die begehrten Schwarzerfiguren für seine Krippen zu bekommen, unternahm er mehrere Reisen zu Schwarzer, ausgerüstet mit einem kleinen Koffer für die Figuren. Später fuhr er dann mit dem Auto seines Sohnes (das er durch Zuteilung nach dem Tod seines Sohnes erhielt) nach Nieder-Heidisch (Dolni Hedec).

         Die Werkstoffe für seine Krippen bezog Vondra aus der nächsten Umgebung (Bildleisten, gedrechselte Türme und Turmspitzen, holzerne Tragstützen für die Geburtshöhle und Bauholz).

         Studiert man die Einzelheiten von Vondras Bauten erkennt man immer wieder neue Zusammenstellungen seiner architektonischen Bauelemente. Die Baulandschaft unterbrach er mit Felsformationen die er aus Kiefernrinde herstellte. Mit diesem Naturmaterial stellte er Steilabbrüche und Schluchten dar und fügte Wege und Stufen in die Krippenlandschaft ein. Man kann auch passende farbliche Abstimmung der ganzen Krippe sehen (helle, oftmals nur in mattem Weiß gehaltene Gebäude und kräftiger eingefärbtes Gelände).

         Die Stockchen fertigte er aus grün gefärbten Schwämmen. Beim Krippenhintergrund in seinen Kastenkrippen dominierten bläuliche Wölkchen.

         Wichtig war Vondra auch eine entsprechende Krippenbeleuchtung und sehr gekonnt wurden kleine Glühlämpchen, versteckt hinter winzigen Blechschirmen in die Krippe miteingebaut die die ganze Bethlehemszenerie beleuchteten. Die Blechschirmchen mit ockergelben Untergrund mamorierte er oft noch zusätzlich. Da Vondra bisweilen auch einen Mond in seinen Krippen einbaute mußte auch dieser neben den Wolken mit einer sehr matten Glühbirne beleuchtet werden. Gutes Licht dominierte auch im vorderen Krippenteil. Das Mattlicht entfaltete in der Dunkelheit einen ganz besonderen Reiz und in fast jeder Krippe Vondras variiert das Licht. Auch hier war er unglaublich fantasievoll.

         Die Anonymität in der Vondra seine Krippen schuf erklärt sich aus der damaligen politischen Situation und er mied die Öffentlichkeit. Vondrakrippen sind in der Tschechischen Republik ziemlich selten und er verkaufte seine Großkrippen zumeist nur an ostslowakische Kirchen. Heute kann man Krippen, die als sein Hauptwerk zu bezeichnen sind, im Krippenmuseum in Vorburg von Karlstejn sehen. Der Museumsbesitzer, Herr Tresel führt dort durch die Ausstellung.


         Hier arbeitete Josef Vondra als Friseur, unweit davon seine Frau, die ebenfalls Frisörin war. Wenn ich mir das Bild vom Nebenraum des Geschäftes (wo Vondra ebenfalls in freien Stunden Krippen baute) ansehe, atmet dieser Raum noch immer den Geist und die Fantasie dieses so einzigartigen Krippenbauers und all die Farbfläschen, Papptürmchen und Bauschablonen werden im Kopf wieder lebendig..


    Vermutlich eine der ersten Krippen von Josef Vondra. Die Gebäude dieser Krippe zeugen schon von Suche und eigener Auffassung von Krippenarchitektur.


    Türmchen in seiner ersten Krippe, die er als Hintergrundbild malte.


    Fotos von Halberzeugnissen zur Krippenherstellung


    Schriftliche Notitzen von Josef Vondra


    Grundtypen von Vondras Krippen


    Figuren von Josef Schwarzer (sr.)


    Auf einer der letzten Krippen von Josef Vondra kann man in den Details gut Josef Vondras Alter und seine fortgeschrittene Augenerkrankung erkennen (zuletzt mußte er schon mit einer Lupe arbeiten). Die Arbeiten sind ungenauer, versehen aber mit den grob geschnitzten Figuren von Josef Schwarzer Junior, ergaben sie eine interessante Kombination die dem Gesamteindruck der Krippen nicht schadete. Sie ergänzten vielmehr den weitgespannten Schaffensbogen der Vondrakrippen.


    Mit viel Glück kann man auf Ausstellungen noch Krippen von Josef Vondra mit Figuren von Josef Schwarzer sehen.


    Letzte unvollendete Krippe

    ( - Zurück zum Anfang der Seite - )

    Lieber Herr Komarek,
    In Ihrem Lebenslauf schreiben Sie , dass Sie Josef Vondra aus Červený Kostelec kannten, den berühmten Krippenbergbauer.Und stellen Sie sich vor, wir konnten um 1988 einen Krippenberg von Josef Vondra erwerben, den er um 1960 gemacht haben soll und der über Umwegen von Kostelec nach Osnabrück kam. Nun freuen wir uns noch mehr über diesen Berg, den ich Ihnen als Foto mitschicke.

    Viele Grüße
    VEREIN DER KRIPPENGFREUNDE OSNABRÜCKER LAND - EMSLAND e. V.
    Prof. Dr. Gerhard Lohmeier

    ( - Zurück zum Anfang der Seite - )

     


    Webmaster: Vitkom 2006