Grulichkrippenmeister - Josef Komarek

das Archiv - II. (Krippenmeister Schwarzer)

  • Josef Schwarzer (Vater) – (*29.3.1907 - +20.7.1985) + Figuren (Bildchen)
  • Josef Schwarzer (Sohn) – (*19.10.1931 - +29.11.2005) + Figuren (Bildchen)
  • Herstellungstechnologie der letzten originalen Schwarzerfiguren (Text + Bildchen)

  • Im Zusammenhang mit Grulichkrippen und Grulichfiguren wurde und wird der Name Schwarzer oft genannt. Trotzdem gibt es bis heute keine ausführliche Beschreibung vom Leben und Lebenswerk der Grulichfigurenschnitzer Schwarzer. Aus diesem Grund traf ich Frau Edeltraud Schwarzer und versuchte mit ihr die Geschichte der Famile Schwarzer aufzuarbeiten und von ihrem eigenen Erleben im Kreis ihrer Familie zu hören.

    Vieleicht gibt es noch jemanden der weitere Erkenntnisse über Vater und Sohn Schwarzer hat, um diesen Lebensabriss noch zu ergänzen, ich wäre für noch weitere Information dankbar.


    Josef Schwarzer (Vater) – (*29.3.1907 - +20.7.1985)

         Josef‘s Vater, Max Schwarzer wohnte gleich gegenüber der Schnitzerschule in Grulich. Josef hatte wahrscheinlich fünf Geschwister, aber nur er widmete sich der Schnitzkunst. In den Jahren 1920-1924 absolvierte er die Holz- und Schnitzfachschule in Grulich.

         Später wohnte er mit seiner Frau in Písařov (heute Bezirk Šumperk). Nach dem Zweiten Weltkrieg zogen sie nach Dolní Hedeč Nr.98, dem damaligen Niederheidisch. Nach eineinhalb Jahren Dienst beim Militär und dem Ende des Zweiten Weltkriegs arbeitete er dann bei der Bahn und später im Betrieb „Hedva“ als unkqualifizierte und schlecht bezahlte Putzkraft für Webstühle. Dieser Großbetrieb hatte eine Filialstelle in Grulich, wo bis heute noch Krawatten und Tücher produziert werden. Aus einer Zahl kleinerer Betriebe in Böhmen und Mähren, die auf die Seidenproduktion eingestellt gewesen sind, war das volkseigene Unternehmen HEDVA entstanden, das in den 90er Jahren in eine Aktiengesellschaft umgewandelt worden ist.

         Schwarzers Frau arbeitete ebenfalls, zur Erlangung einer Rente, etwa 5 Jahre in diesem Betrieb. Josef Schwarzer war deutscher Herkunft, trotzdem konnte er sich auch sehr gut auf tschechisch verständigen. Obwohl das Figurenschnitzen und das Fassen seiner Figuren nie zu seinem Hauptberuf wurde, widmete er sich bis zum Ende seines Lebens dem Schnitzhandwerk.

         In Jahren 1967 - 1968 verstärkte sich sein Interesse an Grulichkrippen und die intensive Beschäftigung mit diesem Figurentypus brachte Josef Schwarzer wieder verstärkt zum Schnitzen. Als Schnitzholz verwendete er gekochtes Fichtenholz, das durch diese Behandlung für die Schnitzarbeit noch weicher wurde. Die Hände seiner Figuren bestanden manchmal auch aus Lindenholz. Zierliche Figuren entstanden unter seiner Hand und er setzte daraus komplette Krippen zusammen. Seine Figurenerzeunisse bezog die Genossenschaft Krásná jizba /„Prächtige Stube“ in Prag.

         Sein einzig regelmässiger Abnehmer war Josef Vondra aus Červený Kostelec, der aussergewöhnlich schöne Krippenberge schuf. Vondra verstand es zuhandeln und er drückte den Preis für die Schwarzerfiguren so sehr, dass Schwarzers Frau meinte, „das sei fast schon unanständig“.

         Die Ehefrau Schwarzers, Rozálie, war Tschechin, deshalb wurden sie nicht ausgesiedelt. Sie starb im Jahre 1987, also zwei Jahre nach dem Tod ihres Mannes. Die letzten Jahre lebte sie bei ihrer Tochter, Anna Nováková in Dolní Čermná/Niedertscherma, das 8km von Lanškroun/Landskron entfernt liegt. Die Eltern von Rozálie Schwarzer beschäftigten sich allerdings nicht mit der Schnitzkunst. Josef Schwarzer hatte mit Rozálie sechs Kinder, zwei Söhne (Max und Josef, ebenfalls Holzschnitzer und drei Mädchen, eines ihrer Kinder starb).

    AD 1) Josef Schwarzer im Alter von 77 Jahren, ca. eineinhalb Jahre vor seinem Tod, (Aufname vom 5.Januar 1984)

    AD 2) Josef Schwarzer mit seiner Ehefrau, Rozálie, (5.Januar 1984)

    AD 3) Der Trauerbrief vom Grulichkrippenschnitzer Josef Schwarzer

    "Somit ist nach einer langen Tradition einer der letzten Grulichfigurenschnitzer gestorben, seine hölzernen Mannln leben aber weiter und bereiten uns zu jeder Weihnachtszeit Freude, ja, die Begegnung mit ihnen freut uns das ganze Jahr."

    AD 4,5 .... 16) Nicht datierte Fotos


    Ein Beispiel von seinen späten Figuren

         Die Figuren Schwarzers sind durch seinen einheitlichen Schnitzstil sehr charakteristisch, zeigen von viel Erfahrung und einen außergewöhnlich geübten Umgang mit den Schnitzeisen.

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    Josef Schwarzer (Sohn) – (*19.10.1931 - +29.11.2005)


         erlernte den Elektrikerberuf in Letohrad/Geiersberg. Bis zum Militärdienst arbeitete er ebenfalls im Betrieb „Hedva“, den Militärdienst verbrachte er in der Slowakei. Im Jahre 1955 heiratete er seine Frau Edeltraud, geb. Rücker. Sie lebten ebenfalls in Dolní Hedeč/Niederheidisch, im Haus Nr. 17, das gegenüber dem Haus seines Vaters lag. Im Jahr 1963 kauften sie von der Gemeinde für 600,- Tschechische Kronen das Haus Nr. 45, (es war eigentlich ein Abbruchshaus), das sie vollständig umbauen mußten.

         Etwa im Jahr 1974 trat Josef Schwarzer Junior in den Betrieb „Tesla“, einer Radio- und Fernsehtransmitterfirma ein, wo er bis zu seinem Ruhestand arbeitete. Schon in seiner Jugend musste er seinem Vater bei der Figurenschnitzerei helfen. Er war ein begabter Maler mit dem richtigen Gefühl für Proportionen, das wohl mit eine Voraussetzung für gute Schnitzarbeit war. Der Figurenschnitzerei begann er sich aber erst nach dem Tod seines Vaters intensiv zu widmen, seine Frau Edeltraud half ihm bei der Bemalung, trug vorerst Kreidegrund zur Holzsättigung auf die rohen Figuren auf, um dann die Figuren zu fassen. Nur die Gesichter der Figuren lies sie ihren Mann malen, er hatte hohe Ansprüche an die Qualität der Figuren und wohl auch die bessere Hand für eine anspruchsvolle Figurenfassung.

          Die Preise ihrer Figuren waren niedrig, so kostete eine Krippe mit 17 Figuren um die 1.000,-CZK-( Tschechische Kronen) = (36,13 Euro), ein Schaf kostete 30,- CZK = (1,08 Euro). Für die große Kastenkrippe die sich im Stadtmuseum von Grulich befindet erhielten sie 4.000,- CZK = (144,52 Euro). Dieses kleine Einkommen mussten sie noch zusätzlich versteuern.

          Josef Schwarzer Junior starb am 29. 11. 2005 nach kurzer Krankheit im Krankenhaus. Seine Beerdigung fand am 9. 12. 2005 um 14 Uhr in der Kirche von Horní Hedeč/Goldenfluss statt. Mit seinem Tod endet nun definitiv die Grulicher Krippentradition.

    AD 1 - 2), 4 - 6) Josef Schwarzer (Sohn)

    AD 3) Grulichkrippenfreund Zdeněk Škvára aus Hradec Králové/Königgrätz mit Frau Edeltraud Schwarzer mit frisch gemalten Figuren


    Ehefrau Edeltraud Schwarzer
         Tochter von Jan und Marie Rücker. Sie hatte eine Schwester namens Anna. Ihr Vater stammte aus einer gemischten Ehe und arbeitete in einem Schotterbruch. Um das Jahr 1940 kam er in Haft, da er sich abschätzig gegen das Hitlerregime geäußerte hatte. Auch die Mutter, Marie Rückert, war auf Zeit als Arbeiterin im Betrieb „Hedva“ angestellt. Ihre Eltern hatte kein Interesse selbst zu schnitzen bzw. sich der Figurenherstellung zu widmen. Edeltraud Schwarzer kann sich nicht mehr an die Krippenfigurenschnitzerei in der Region Grulich erinnern, nur an die Herstellung von geschnitzen Vögelein und Wetterhäuschen, die damals noch in großer Anzahl produziert wurden.

        Mit Josef Schwarzer hatte sie 6 Töchter, Helena, Eva, Hana, Renata, Marcela und Monika. Ihre erste Tochter kam auf die Welt als sie 24 Jahre alt war. Die nächsten Kinder wurden während der folgenden acht Jahren geboren. Frau Schwarzer musste sich in ihrem Leben oft mit finanziellen Sorgen auseinandersetzen, schuld daran waren der niedrige Lohn ihres Mannes, die hohe Kinderderzahl und die erheblichen Kosten des Hausumbaus. Um sich finaziell über Wasser zu halten erzeugte sie in Heimarbeit Gardienenklammern und stellte nach Größen sortiert, hölzerne Eisspiesse her. Diese Eisspiesse benützte ihr Mann auch zur Herstellung seiner benötigten Leimfarbnenmischungen. Sie dienten ihm auch zur Herstellung von Dachkonstruktionen in seinen so typischen Krippenställen.

    Insgesamt hatte die Familie Scharzer 17 Enkelkinder und 5 Urenkel.


    Josef Schwarzer (Sohn)- Figuren aus den Jahren 1991 – 1998





        Vater und Sohn Josef Schwarzer ruhen auf dem Friedhof in Dolní Hedeč/Niederheidisch. Die Schnitzerei stellte für sie einen kleinen Zuverdienst zum sonst so kargen Lohn dar. Freifliegende Kanarienvögel unterhielten sie während der Arbeit. Josef Schwarzer (Sohn) schnitzte oft vor einem kleinen Fernseher.

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    Herstellungstechnologie der letzten originalen Schwarzerfiguren

         Angesichts der aussergewöhnlichen Begabung dieser Krippenfigurenschnitzer entschied ich mich, mit Hilfe von Frau Edeltraud Schwarzer und Frau Žaneta Lengwinatová, der Fachangestellten des Stadtmuseums in Grulich, die Herstellungstechnologie der letzten originalen Schwarzerfiguren zu dokumentieren.



    Das Holzschnitzwerkzeug
          Typisches schräg geschärftes Holzschnitzmesser. Das auf ersten Blick eher unästhetisch aussehende Werkzeug erfüllte alle Schnitzansprüche. Die spitze Messerform ermöglichte feinste Schnitzarbeit, bei der z. B.ein Figurenhals nur 5 mm gross geschnitten werden sollte.

    The Holzschnitzmeissel
         Die Meisselausführung sowie auch ihr Verschleiß weisen auf das hohe Alter der Werkzeuge hin. Hier sieht man eine komplette Reihe von halbrunden Meisseln.

    Das Spaltmesser
         Dieses Messer wurde zum Spalten von Fichtenstöckchen gebraucht.

    Die Herstellung von Leimfarbe:
         Zum Gebrauch wurde das kalte Gemisch mit etwas Wasser wieder verdünnt und erwärmt, bis die Farbe wieder flüssig wurde. Jeweils wurde nur ein Farbton angerührt um damit eine ganze Figurenserie mit dem angerührten Farbton zu bemalen. Die Schwarzers verwendeten Keramikschalen, sie hielten die Farbe länger warm und flüssig.
          So pinselte die Familie Schwarzer mit einem Farbton eine ganze Figurenserie von mindestens 20 Figuren. Rot kam dort hin, wo etwa an ein rotes Gewand gedacht wurde. Erst dann, wenn alle rot zu färbenden Figurenteile gepinselt waren, wurde ein neuer Frabton angesetzt.

          Der Erfolg einer lang anhaftenden Figurenfassung hängt von der Konsistenz- und der Menge der Leimzugabe ab. Generell wurde die Farbe sehr dick, also mit viel Leim angesetzt um eine gute Farbhaftung auf der Figur zu erzielen.

          Auf einigen der Fotos kann man erkennen, dass für die Farberwärmung ein kleiner elektrischer Kocher benutzt wurde um die Farbmischung am Erkalten zu hindern.

    Die Pigmente
         Die Schwarzers hatten zu Hause vielleicht gegen hundert Näpfe, manche waren auch Heringsbüchsen, die mit den verschiedensten Farbpigmenten gefüllt waren. Grundsätzlich ging es um etwa 30 Hauptfarbtöne die zumeist benutzt wurden. Einige der Pigmente hatten sogar eine Metallicnuance. Man verwendete sie in den alten Krippen hauptsächlich für die Königsmäntel und das Reitergefolge, bei Grulichkrippenfiguren kamen sie eher selten zur Anwendung.
         Eine noch erhaltene Originalpackung zeigt, dass sie ihre Farbpigmentsäckchen ua. bei August Schwarzer, einem Farbenhändler in Grulich kauften.

    Das Schüttmaterial
         Glitter kam in verschiedenen Tönungen auf Krippen zum Einsatz, zumeist golden- und silberfarbiger Glitter. Gefärbtes Sägemehl und gefärbte Schuttbrösel verschiedener Schmirgel- oder Siebgrößen wurden verwendet. Die eigenen Rezepturen vom damals verwendeten Schüttmaterial ist leider nicht überliefert. Um besondere Akzente auf den Krippen zu setzen, wuden mit einer Kaffeemühle bunte Glühbirnen oder zerbrochner Weihnachtsschmuck zu feiner Streu vermahlen. Auf dem Foto ist nur ein Teil des verwendeten Streumaterials ersichtlich. Gegenwärtig versuchen die entsprechenden Händler in Grulich dieses Streumaterial nachzuproduzieren um an die Streumaterialtechniken der Schwarzers anzuknüpfen.

    Die Pinsel 
         Neben üblichen Schulpinseln wurde auch dieser zu Hause herstellte, alte Pinsel verwendet, er ist noch erhalten. (Ein Borstenpinsel mit Fichtenholzstiel und Gänsefedern).

    Die Vögleinsglasaugen
         Neben Figuren stellten sie auch hölzerne Ziervögelchen her, die als Interieurschmuck verwendet wurden. Nach der Aussage von Frau Schwarzer musste dabei eine bestimmte Arbeitsweise der Farbenbeschichtung auf noch nicht trockenem Untergrund (nass in nass) verwendet werden. Ein Ziervögelchen ist noch als Andenken an diese Arbeitstechnik erhalten.

    Die Wetterhäuschenschablonen
         Auch Wetterhäuschen stellte die Familie Schwarzer her. Das Foto zeigt kein Wetterhäuschen, dass die Schwarzers explizit hergestellt haben, die Arbeitsschablonen stammen aber von ihnen. Man verwendete für die Wetterhäuschen feine Därme die ihre Größe mit der Luftfeuchtigkeit einhergehend änderten und so die „Wetterfiguren“ in Bewegung setzten. Frau Schwarzer erklärte mir, dass durch den Mangel an geeigneten Därmen und dem Nachlassen des Interesses an solchen Wetterhäuschen die Produktion so nach und nach zum Erliegen kam.

    Alte Schnitzmuster
         Alte Figuren, die während ihrer Herstellung beschädigt wurden, wurden nie repariert, dienten aber aber oft als Muster für eine nächste Schnitzarbeit.

    Die Verlassenschaft


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